Erfahrungsbericht: Neue Freunde in Fernost
Neue Freunde in Fernost:
Von Mut, Leidenschaft und Traditionen.
Ein Erfahrungsbericht von Magrit Klein.
"Nur wer selbst brennt, kann auch entzünden", Magrit Klein, Floristmeisterin mit eigenem Blumenfachgeschäft in Wadgassen, lebt dieses Motto mit Leidenschaft.
Ein Motto, das sie stets zu neuen, interessanten Aufgaben führt. Die jüngste Herausforderung führte Magrit Klein in den Fernen Osten nach Korea, in ein Land, in dem Familien - wie wir einst - durch Teilung in Nord und Süd voneinander getrennt sind. Eine Reise mit mulmigem Gefühl im Bauch und anfänglich etwas Angst im Nacken.
Nach gut 11 Stunden Flugzeit, einer Zeitverschiebung von sieben Stunden und der leisen Frage "Was mache ich hier überhaupt?", betrete ich zum ersten Mal südkoreanischen Boden. Jürgen, ein Berufskollege und guter Freund von mir, der in Deutschland bei Floristikdemos von sich Reden macht, ist mit von der Partie.
Am Flughafen werden wir von unserem Arbeitgeber, der Familie Kim, abgeholt. Sie führt in Seoul eine der bekanntesten Floristikschulen mit dem Namen "Gaon Academy". Auf dem Weg in die Stadt erinnern mich nur noch Schriftzeichen auf Schildern daran, dass ich wirklich in Korea bin.
Durch die Straßenschluchten von Seoul zieht der Geruch von frisch zubereiteten Speisen, die man hier in den vielen Garküchen zu sich nehmen kann. Ingwer, Ginseng, Seetang oder Sesamöl sind nur einige traditionelle Würzmittel der koreanischen Küche. In den breiten Straßen drängen sich geschäftig fröhliche Menschen, von denen jeder mindestens ein Handy, einen iPod und eine Digitalkamera zu haben scheint.
Direkt um die nächste Ecke finde ich einen kleinen noch ursprünglichen Stadtteil. Kleine Häuser mit verzierten Dächern und Fassaden, Kunsthandwerker auf der Straße und in traditionellen Geschäften. Gerade so, als hätten die modernen Stadtplaner ihre Aufgabe nur zur Hälfte erledigt. Ein Fleckchen, das mich in seinen Bann gezogen hatte und wo ich mich im Laufe meines vierwöchigen Aufenthaltes des Öfteren wieder gefunden habe.
Zunächst geht es zu unserem Hotel. Endlich einmal Zeit zum Ausruhen, wenn auch nur drei, vier Stunden. Dank Laptop, Internetzugang und Webcam konnte ich auch mit der Heimat Kontakt halten. Es lebe der Fortschritt in einem Land, das durch seine Hierarchien klar strukturiert ist.
Dann sah ich mich endlich meinen Schülerinnen und Schülern gegenüber. Manche im Alter von 40 bis 60 Jahren, was man ihnen übrigens nicht ansah!
Mit ihnen sollte ich die nächsten 14 Tage zusammen sein. Erst danach waren sie berechtigt, am nächsten Kurs, der auf dem Niveau eines Deutschen Meisterkurses ist, teilzunehmen. In Trainings, Vorträgen und Rollenspielen sind wir auf unsere Arbeit mit diesen Schülern vorbereitet worden.
Doch die Praxis zeigte mir, dass sich die Menschen hier wie dort über die gleichen Dinge freuen, über die gleichen Dinge lachen und sich über die gleichen Dinge ärgern.
Mit meinem Herz, das ich generell auf der Zunge trage, eroberte ich die Herzen meiner Schüler. Selbst Kritik, die normalerweise nicht geäußert werden darf, wurde dankend angenommen und diente als Sprungbrett zu neuen Ideen und Arbeiten. Wir lachten und weinten zusammen. Am Ende des Kurses durfte ich erfahren, was Freundschaft in Korea bedeutet. Wir lagen uns in den Armen, tauschten Geschenke aus und organisierten ein Abschiedsessen.
Die nächsten zwei Wochen arbeitete ich dann mit Robert Wolfrum zusammen.
Er ist Weihenstephaner Florist und hat einen Lehrstuhl für Kunst an den Universitäten in Nürnberg und Tokio. Mit ihm zusammen bereitete ich die koreanischen Floristen auf ihre Meisterprüfung vor. Diese Ausbildung ist sehr intensiv und in verschiedene Module eingeteilt, die bereits seit Anfang des Jahres laufen. Den Abschluss bildet die Prüfung vor der IHK in Deutschland Ende November. Am meisten faszinierte mich die Wissbegierigkeit dieser Menschen. Alles wurde bis zum kleinsten Punkt hinterfragt. Nach dem zehnten "Warum?" habe ich dann schon mal genervt zur Antwort gegeben "Weil es halt so ist!" - was mir keiner übel nahm. Es wurde bis spät in die Nacht gearbeitet und ausprobiert. Selbst eine Anfahrt zur Schule von drei bis vier Stunden täglich nahmen die Teilnehmer in Kauf. Heute sehe ich mit Stolz und voller Respekt zurück und freue mich schon auf Anfang November. Dann werde ich Familie Kim, mit denen ich in regem eMail-Kontakt stehe, und meine Schüler wieder sehen - zur Abschlussprüfung in Deutschland!
Herzliche Grüße!
Magrit Klein
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